Citywerkstatt Ansbach: Vom Gesprächskreis zur gemeinsamen Umsetzung
Ich, Gregor Heilmaier, schildere hier meine Erfahrung als Prozessmoderator und Projektkoordinator der Citywerkstatt Ansbach. Im Auftrag von Heilmaier & Heilmaier begleite ich den Prozess seit mehreren Jahren gemeinsam mit der Stadt Ansbach und der IHK Nürnberg für Mittelfranken – die Zusammenarbeit läuft bis heute.
In vielen Städten kennen sich die entscheidenden Akteure seit Jahren. Verwaltung, Wirtschaft, Kammern, Politik und lokale Initiativen begegnen sich regelmäßig, tauschen sich aus, sitzen in denselben Gremien. Trotzdem entsteht aus diesem Austausch nicht automatisch gemeinsames Handeln – das war auch in Ansbach die Ausgangslage.
Die eigentliche Herausforderung lag woanders: Unterschiedliche Erwartungen, Zuständigkeiten und Interessen mussten so zusammengeführt werden, dass aus Ideen verbindliche Projekte wurden. Dafür schuf die Citywerkstatt Ansbach einen neuen Arbeitsrahmen, mit klaren Projektstrukturen, gezielter Moderation und gemeinsamer Verantwortung für sichtbare Ergebnisse. Getragen wird sie von der Stadt Ansbach und der IHK Nürnberg für Mittelfranken, mit Beteiligung von Unternehmen, Verwaltung, Initiativen und Privatpersonen. Entstanden sind daraus zahlreiche umgesetzte Projekte in der Innenstadt – und eine Initiative, die über ihre ursprüngliche Förderphase hinaus fortgeführt wird.
Die Ausgangslage in Ansbach
Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft und lokalen Institutionen standen in Ansbach bereits im regelmäßigen Austausch. Die Gespräche führten jedoch nicht immer zu gemeinsamen Entscheidungen oder konkreten nächsten Schritten. Unterschiedliche fachliche Logiken, politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Interessen trafen aufeinander, Zuständigkeiten blieben teilweise unklar, Entscheidungen wurden vertagt. Viele Beteiligte betrachteten Probleme vor allem aus ihrer eigenen Perspektive – ein vertrautes Muster entstand: Es wurde viel übereinander gesprochen, aber noch zu wenig miteinander gearbeitet.
Aus dem bestehenden Austausch sollte ein produktiver Arbeitsprozess entstehen, nicht ein weiteres Beteiligungsformat.
Der Ansatz: Projekte als gemeinsame Lernfläche
Die Citywerkstatt Ansbach richtete den Blick auf konkrete Vorhaben statt auf abstrakte Positionen. Ein Projekt zwingt die Beteiligten, grundsätzliche Fragen praktisch zu beantworten: Wer übernimmt Verantwortung? Welche Entscheidung wird gebraucht? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Welche kommunalen Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden? Und woran erkennt man, ob eine Idee funktioniert?
Damit wurden Projekte zu einer Lernfläche für Zusammenarbeit. Die unterschiedlichen Interessen verschwanden nicht – sie wurden an einer konkreten Aufgabe sichtbar und bearbeitbar.
Moderation als verbindende Funktion
Eine zentrale Rolle übernahm die Moderation des Gesamtprozesses. Wichtiger als das Leiten von Sitzungen war die laufende Übersetzung zwischen den beteiligten Systemen: Verwaltung arbeitet innerhalb rechtlicher, politischer und haushalterischer Rahmenbedingungen. Unternehmen brauchen Verlässlichkeit, Geschwindigkeit und erkennbare Ergebnisse. Ehrenamtliche und lokale Initiativen bringen Energie und Ideen ein, haben dafür aber oft begrenzte Ressourcen.
Diese Perspektiven mussten miteinander verbunden werden: Erwartungen und Begriffe klären, Verantwortlichkeiten zuordnen, Entscheidungswege transparent machen, verbindliche nächste Schritte festlegen, Konflikte bearbeiten, weitere Unterstützerinnen und Unterstützer aktivieren. Die Fränkische Landeszeitung beschrieb Gregor Heilmaiers Rolle später als die eines Koordinators, der Projekte begleitet, Konflikte bearbeitet und Wege zu einer attraktiveren Innenstadt aufzeigt.
Ein transparenter Weg von der Idee zum Projekt
Damit aus einzelnen Ideen gemeinsame Vorhaben werden konnten, entwickelte die Citywerkstatt einen strukturierten Projektprozess. Ideen mussten einen nachvollziehbaren Beitrag zur Ansbacher Innenstadt leisten. Sie wurden anhand gemeinsamer Kriterien geprüft, konkretisiert und mit den benötigten Beteiligten verbunden.
Ein öffentlicher Projektaufruf und ein Ideen-Pitch machten den Zugang zur Citywerkstatt transparent. Beim Pitch stellten Beteiligte neue Vorhaben vor und bekamen Einblick in bereits umgesetzte Projekte – zu diesem Zeitpunkt gehörten unter anderem die „Nette Toilette“, die ANSBACH-Buchstaben, Schaufensteraktionen, Regenschirme in der Neustadt und ein Hüpfspiel am Martin-Luther-Platz zu den sichtbaren Ergebnissen.
Die Projektkriterien halfen zugleich, Erwartungen zu steuern: Nicht jede gute Idee sollte automatisch ein Projekt der Citywerkstatt werden. Entscheidend waren der Bezug zur Innenstadt, eine verantwortliche Projektgruppe und die Aussicht auf einen nachhaltigen oder übertragbaren Nutzen.
Sichtbare Projekte für die Innenstadt
Die Bandbreite der Projekte zeigt: Innenstadtentwicklung beschränkt sich nicht nur auf Einzelhandel oder Veranstaltungen. Die Citywerkstatt Ansbach bearbeitete unter anderem Fragen der Aufenthaltsqualität, Sichtbarkeit, Mobilität, Digitalisierung, Klimaanpassung, Kinderfreundlichkeit und Zusammenarbeit mit Immobilieneigentümern.
Die ANSBACH-Buchstaben
Sieben große Buchstaben wurden zu einem weithin sichtbaren Symbol für die Stadt. Der Schriftzug entstand aus der gemeinsamen Arbeit der Citywerkstatt und entwickelte sich schnell zu einem Fotomotiv und Gesprächsanlass. Die Fränkische Landeszeitung bezeichnete die Buchstaben bei ihrer Vorstellung als Botschafter für Ansbach und hob ihre öffentliche Aufmerksamkeit hervor. Das Projekt steht exemplarisch für den Werkstattansatz: eine überschaubare Idee, gemeinsam entwickelt, finanziert, umgesetzt und im öffentlichen Raum sichtbar gemacht.
Lebendiger Straßenzug Kronenstraße
In der Kronenstraße arbeiteten Anlieger, Eigentümer und weitere Beteiligte an einer Aufwertung der Straße. Neue Sitzmöglichkeiten, Spielangebote, Begrünung und digitale Informationen sollten die Aufenthaltsqualität erhöhen und die Besonderheiten der Straße sichtbarer machen. Die offizielle Projektkommunikation beschreibt die Kronenstraße als Beispiel dafür, wie lokale Initiative und die Abstimmung innerhalb der Citywerkstatt zu einem konkreten Ergebnis führen können.
Die Nette Toilette
Mit der „Netten Toilette“ beteiligen sich gastronomische Betriebe und weitere Einrichtungen an einem öffentlich nutzbaren Toilettenangebot. Bei diesem praktischen Problem der Innenstadt setzte man auf eine kooperative Lösung mit lokalen Partnern statt auf eine kommunale Infrastrukturmaßnahme.
Aktionen für Kinder und Familien
Mobile Spielangebote, Hüpfspiele, Suchaktionen und die Ansbacher Stiefel-Rallye schufen zusätzliche Anlässe für Familien, die Innenstadt zu besuchen. Die Stiefel-Rallye wurde über mehrere Jahre fortgeführt und von zahlreichen Geschäften und lokalen Organisationen mitgetragen. Die regionale Presse bezeichnete sie rückblickend als eines der Erfolgsmodelle der Citywerkstatt Ansbach, bei dem viele Beteiligte gemeinsam an der Belebung der Innenstadt arbeiteten.
Neue Impulse für Radverkehr und Tourismus
Gemeinsam mit lokalen Partnern wurden Beschilderungen und Willkommensangebote für Radtouristinnen und Radtouristen entwickelt. Dieses Projekt verband die Innenstadtentwicklung mit touristischen Angeboten und einer besseren Verknüpfung der Stadt mit dem Umland. Die Citywerkstatt dokumentiert unter anderem neue Willkommensschilder, aktualisierte Radnetzbeschilderungen und Hinweise auf Serviceangebote für Radfahrende.
Eigentümerdialog und Leerstände
Mit zunehmender Dauer des Prozesses rückten auch strukturell anspruchsvollere Themen in den Mittelpunkt – dazu gehört der Dialog mit Immobilieneigentümerinnen und -eigentümern. Leerstände, Nutzungsänderungen und Investitionsentscheidungen lassen sich allein durch kurzfristige Aktionen kaum bearbeiten. Sie verlangen Vertrauen, vertrauliche Gespräche und eine langfristigere Perspektive. Die regionale Berichterstattung greift diesen Ansatz mehrfach auf und beschrieb den Eigentümerdialog als Schwerpunkt der weiteren Arbeit.
Was sich in der Zusammenarbeit veränderte
Die wichtigste Wirkung der Citywerkstatt liegt nicht allein in der Zahl ihrer Projekte, sondern in der Art, wie die Beteiligten miteinander arbeiten.
Aus Meinungen wurden Aufgaben. Statt grundsätzliche Positionen wiederholt auszutauschen, konzentrierten sich die Projektgruppen auf lösbare nächste Schritte. Aus Einzelinteressen entstand ein verlässlicher Kern, in dem Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Abstimmungen wurden konkreter, Zuständigkeiten und Entscheidungsbedarfe früher sichtbar.
Auch kritische Stimmen wurden produktiv: Beteiligte, die zuvor vor allem als unbequem oder ablehnend wahrgenommen worden waren, brachten ihre Kenntnisse und Einwände in konkrete Projekte ein. Und weil Ergebnisse öffentlich sichtbar wurden, schufen umgesetzte Vorhaben Vertrauen – und erleichterten es, weitere Menschen für die Mitarbeit zu gewinnen.
Von der Förderung zur Verstetigung
Die Citywerkstatt war zunächst im Rahmen einer zeitlich begrenzten Förderphase aufgebaut worden. Nach rund drei Jahren endete diese erste Entwicklungsstufe, und die Initiative ging in ihre nächste Phase über. Die positive Zwischenbilanz und die Vielzahl umgesetzter Projekte führten zu Überlegungen, wie das Format dauerhaft weitergeführt werden kann.
Die Fränkische Landeszeitung berichtete später, dass die Stadt Ansbach die Finanzierung übernehmen und Gregor Heilmaier seine moderierende und koordinierende Rolle fortsetzen sollte. Die Zeitung wertete das als Zeichen dafür, dass sich die Citywerkstatt innerhalb kurzer Zeit in Ansbach etabliert hatte.
Aktueller Schwerpunkt ist der Eigentümerdialog: Seit Juli 2025 bringt er Immobilieneigentümer, Verwaltung und Wirtschaft zu Fragen wie energetischer Sanierung und Nutzungsperspektiven an einen Tisch. Die Fränkische Landeszeitung bestätigte im Dezember 2025 erneut, dass die Arbeit der Citywerkstatt bei Stadt und IHK weiterhin hoch im Kurs steht.
Was Ansbach gezeigt hat
Die Erfahrungen der Citywerkstatt Ansbach führen zu einer zentralen Erkenntnis: Jede Seite sieht nur einen Teil der Geschichte. Verwaltung sieht rechtliche, politische und organisatorische Zusammenhänge. Unternehmen spüren Marktdruck, Kundenverhalten und wirtschaftliche Risiken am eigenen Leib. Eigentümer wiederum kalkulieren in langfristigen Investitionszyklen, während ehrenamtliche Initiativen genau die Möglichkeiten sehen, die in etablierten Strukturen oft übersehen werden. Tragfähige Zusammenarbeit entsteht erst, wenn diese Perspektiven sichtbar werden und in einen gemeinsamen Arbeitsprozess einfließen.
Aus Ansbach lassen sich mehrere Lehren ableiten:
- Regelmäßige Gespräche allein erzeugen noch keine Kooperation.
- Konkrete Projekte erleichtern Rollenklärung und gemeinsame Verantwortung.
- Moderation ist eine Führungs- und Übersetzungsaufgabe.
- Sichtbare erste Ergebnisse schaffen Vertrauen.
- Kritische Stimmen können wertvolle Impulse liefern, wenn sie in die Arbeit einbezogen werden.
- Transparente Projektkriterien schützen den Prozess vor Beliebigkeit.
- Erfolgreiche Werkstattarbeit lässt sich über eine Förderphase hinaus verstetigen.
Öffentliche Resonanz
Die Citywerkstatt und ihre Projekte wurden wiederholt von regionalen Medien, der Stadt Ansbach, der IHK Nürnberg für Mittelfranken und weiteren Plattformen begleitet.
- Schwierige Suche nach einem Miteinander von Handel und Stadt – Rolle der Moderation und Herausforderung, unterschiedliche Innenstadtakteure zu konstruktiver Zusammenarbeit zu bewegen. Fränkische Landeszeitung
Offener Punkt: URL zu „Schwierige Suche nach einem Miteinander …“ fehlt noch – im Pressespiegel nicht enthalten.
- Neue Ideen für Ansbach – Pitch der Citywerkstatt ein voller Erfolg – öffentlicher Ideen-Pitch, bereits umgesetzte Vorhaben, Aufruf an Bürgerinnen und Bürger. fränkischer.de
- Sieben Buchstaben als Botschafter für Ansbach – Vorstellung der ANSBACH-Buchstaben als öffentliches Fotomotiv und Stadtgespräch. Fränkische Landeszeitung
- Ende und Anfang für die Citywerkstatt – Bilanz nach der ersten Förderphase, Übergang zu neuen Entwicklungsstufen. Fränkische Landeszeitung, 31.12.2024
- Citywerkstatt soll weitergehen – kommunale Finanzierung, Fortführung der Moderation, nächste Arbeitsschwerpunkte. Fränkische Landeszeitung
- Citywerkstatt Ansbach: Mit diesen Mitteln will sie die Innenstadt beleben – aktuelle Einordnung des Eigentümerdialogs als Arbeitsschwerpunkt, mit Foto von Gregor Heilmaier als Projektkoordinator neben Oberbürgermeister Thomas Deffner. Fränkische Landeszeitung, 14.12.2025
- Mehr Leben in der Altstadt – Fachartikel über Innenstadt-Projekte in Mittelfranken, darunter die Citywerkstatt Ansbach. IHK-Magazin Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 08/09-2023 (neu ergänzt)
Zusammenarbeit braucht einen Arbeitsrahmen
Die Citywerkstatt Ansbach zeigt, wie sich festgefahrene Zusammenarbeit verändert: Menschen arbeiten an konkreten Aufgaben zusammen, Zuständigkeiten werden geklärt, Ergebnisse werden sichtbar. Ein weiterer Appell ans Miteinander hätte das nicht geschafft.
Der Werkstattansatz schafft dafür den Rahmen. Er verbindet unterschiedliche Perspektiven, übersetzt zwischen den beteiligten Systemen – und macht aus Gesprächsbereitschaft gemeinsame Handlungsfähigkeit.

